Es gibt wohl zwei Herangehensweisen, Doping zu sich zu nehmen. Die erste ist die unbewusste, vom Trainer verordnete. Diese ist in der DDR gängig gewesen. Die zweite ist die kalkulierende, Doping zu sich zu nehmen, um eben bewußt eine Leistungssteigerung zu erringen.
Kriminell sind beide, perfider ohne Zweifel die erste. Aber nicht nur kriminell, sondern auch hochgradig gesundheitsgefährdend. Denn es gibt wohl unter Doping – die Mittel keine Substanz, die ohne Nebenwirkung ist. Gravierend ist, dass die meisten Mittel auch noch kombiniert werden. Teils, um ein Mittel zu kaschieren, teils aber auch, um eine noch höhere Leistung zu erzielen. Letztlich sind die Athleten aber doch Sportler und keine Ärzte. Zu bedenken gilt auch, dass die meisten Substanzen, so wie Drogen das nun an sich haben, eine Abhängigkeit bewirken, die psychisch und physisch sein kann.
Die Virilisierung bei der Einnahme von Steroiden war bei weiblichen Athleten wohl eher unerwünscht. Bodybuilder hingegen schätzen den Effekt ja durchaus. Die Vermännlichung ist aber nicht der einzige Effekt. Steroide werden über Leber und dann Galle ausgeschieden. Hochgradig gefährdet ist also die Leber, Krebserkrankungen sind möglich. Sehr bekannt ist die sog. Steroid-Akne, die nicht nur im Gesicht, sondern auch im Hals-, Nacken-, Brust- und Rückenbereich schwer grassieren kann und heftige Narben hinterlässt, bzw. erst durch weitere Medikamentierung behandelt werden kann. Anabole Steroide haben Einfluß auf die Blutfettwerte, auf den Blutkreislauf und den Herzmuskel. Eine Thrombose in Herznähe kann dann schon mal lebensgefährlich werden. Darüber hinaus ist indiziert, dass die meisten Dopingmittel eine kardiale Nebenwirkung haben.
Und nun sind diese synthetischen Testosteronstoffe auch noch psychotrop, wofür sie übrigens ursprünglich auch hergestellt wurden, Soldaten sollen leistungsfähiger aber auch aggresiver sein! Aggressivität kann aber nicht immer ein gewünschter Effekt sein. Weiter sind beschrieben Depressionen bis hin zu Suizidgedanken.
Zu den kardialen Nebenwirkungen. Ein Hinweis auf Einnahme von Doping kann auch das Auftreten des sog. Plötzlichen Herztods sein. Dieses Phänomen ist bekannter von Fans als von Hochleistungssportlern: der wortwörtlich mitfiebernde Fan kann die Spannung nicht mehr ertragen… Dass sich aber eine gewaltige Reihe von Fällen im Spitzensport, namentlich im Fussball ereigneten lässt doch aufhorchen. Junge Männer im Zenit ihrer Kräfte, Vollprofis mit Ernährungsplan und allem pipapo brechen einfach so zusammen. Ohne Fremdeinwirkung. Wiederbelebungsversuche nutzlos. Oder aber doch, als am 29.08.08 beim Spiel Karlsruher SC gegen den 1. FC Köln der Kölner Spieler Ümit Ozat zusammenbricht, aber alle sehr aufmerksam reagieren. Herrlich, wie dann die Bild-Zeitung titelt: War Karies schuld?
Aber tatsächlich ist die Bedeutung des plötzlichen Herztods den Beteiligten bewusst. Dr. Wilfried Kindermann ist Autor des Buches „Plötzlicher Herztod: Was sich Aktive und Betreuer zu Herzen nehmen sollten“ und kommt zu der Aussage: „Todesfälle beim Sport in den 90er Jahren werden immer wieder in Zusammenhang mit dem Mißbrauch von Anabolika, Wachstumshormon und Erythropoietin (EPO) diskutiert. Die Beweislage ist im Einzelfall schwierig. Solange Dopingsubstanzen in Körperflüssigkeiten nicht nachgewiesen werden, bleiben die Diskussionen spekulativ. Obduktionen können zur Aufklärung beitragen, die Zusammenhangsfrage wird aber nicht immer eindeutig zu beantworten sein, da auch andere Einflüsse oder Risikofaktoren berücksichtigt werden müssen.“
Ja so sieht’s aus. Wurde je einer der verstorbenen Sportler obduziert, bzw. ein Obduktionsbericht veröffentlicht? Wohl kaum.